Ev. Kirchengemeinde Nieder Neuendorf
Ev. Kirchengemeinde Nieder Neuendorf

Die Dorfkirche

von Nieder Neuendorf

Die Kirche hatte sehr wahrscheinlich einen Vorgängerbau. Diese war vermutlich eine kleine Kapelle mit Westturm, die im 13. Jahrhundert errichtet worden ist. Bei entsprechenden Untersuchungen konnten noch romanische Bauformen bzw. -reste entdeckt werden. Deshalb zählt dieser Vorgängerbau mit zu den ältesten Kirchen der Mark Brandenburg. Im Mittelalter lag die Kirche am Pilgerweg zur "Wunderblutkirche" in Bad Wilsnack und diente den Pilgern als Andachts- und Raststätte. Seit einiger Zeit gibt es diesen Pilgerweg wieder.

 

Der heute vorfindliche Sakral-Saalbau wurde zwischen 1490 und 1500 mit Back- und Feldsteinen erbaut. Das ergaben dendrochronologische Untersuchungen, die an Holzbalken durchgeführt worden sind. Im 18. Jahrhundert erfuhr die Kirche eine Erneuerung und Erweiterung. Sie wurde nach Osten hin um fünf Meter verlängert. Das Kirchenschiff, das mit einem Zeltdach versehen ist, wurde um einen Meter erhöht. In jener Zeit bekam die Kirche auch eine neue Innenausstattung. In dem leicht eingezogenen, quadratischen Westturm hängen drei Stahlglocken, die 1919 gegossen worden sind. In der Nord- und Südseite des Turmes befinden sich je ein paariges, schmales Rundbogenfenster  in spitzbogigen Blenden. Der Turmhelm hat auf allen vier Seiten querrechteckige Schallöffnungen, die mit Lamellen versehen sind. Sie sind schiefergedeckt und als Gauben gestaltet. Der ebenfalls schiefergedeckte Turmspitzenhelm wird von einer Kugel, Wetterfahne und einem Stern abgeschlossen.

 

Das mit einer hohen Blende versehene Portal auf der Westseite des Turmes ist spitzbogig. Im Jahre 2008 erfolgte eine umfassende Außensanierung der Kirche.

 

Der Altar, die Kanzel und Taufe datieren aus dem 18./19. Jahrhundert. Der hölzerne Altar wird von zwei Leuchtern und einem aus Eisenkunstguß gerfertigten Kruzifix geschmückt.

Wenn die Kirchengemeinde Abendmahl feiert, benutzt sie einen Kelch und eine Patene, die im Jahre 1585 durch Hans von Klitzing, Sohn des Caspar von Klitzing und späterer Domherr zu Havelberg, gestiftet worden sind.

 

Die hölzerne Kanzel steht in der südöstlichen Ecke des Kirchenschiffs. Sie hat einen polygonalen Kanzelkorb, dessen Brüstungsfelder schmucklos und einfarbig gestrichen sind.

 

Neben dem Altar hat die hölzerne Taufe ihren Platz (im nordöstlichen Bereich). Sie hat eine achtseitige Kuppa. Beim Vollzug der Taufe wird eine Taufschale benutzt, die aus dem 15./16. Jahrhundert datiert.

 

Der Sakralbau hat insgesamt sieben buntbleiverglaste Fenster.

 

In der nord- und südöstlichen Wand befinden sich zwei hohe, oben flach gewölbte, buntbleiverglaste Fenster. Das nordöstliche Fenster zeigt in seiner Mitte eine (Tauf-)Schale. über der eine Taube (= Symbol für den Heiligen Geist) schwebt. Das südöstliche Fenster bringt (ebenfalls in der Mitte) einen Kelch (= Symbol für das Abendmahl) zur Darstellung. Beide Fenster wurden von Carl Crodel (1894 - 1973) entworfen. Die Ausführung der Entwürfe erfolgte im Jahr 1948 durch die Werkstatt von August Wagner (Berlin-Treptow).

 

An der Nordwand des Kirchenschiffs sind zwei Sandsteinreliefs angebracht: Das Epitaph für Caspar von Klitzing und dessen Ehefrau Margareta von Oppen aus dem Jahre 1557 mit ihren Wappen (das Wappen derer von Klitzing mit drei Tatarenzipfelmützen und das Wappen derer von Oppen mit gekreuzten Balken) Beide Personen werden in Reliefbildnissen und in zeitgenössischer Tracht zur Darstellung gebracht. Das andere Sandsteinrelief zeigt in Form einer Tempelfassade ebenfalls die Wappen derer von Klitzing und von Oppen. Dieses Relief stellt die Vorderseite eines Sakrophargs dar, in dem wahrscheinlich Margareta von Klitzing, geborene von Oppen im Jahre 1563 beigesetzt wurde.

 

Die Kirche hat eine West- und eine Nordempore. Auf der Nordempore befindet sich die Orgel. Sie datiert aus dem Jahr 1846 und war ein Geschenk der damaligen Gutsherrin von Levetzow. Das Instrument hat ein Manual, sechs Register und Pedal. Es ist das Werk des Potsdamer Orgelbaumeisters Gottlieb Heise (1785 - 1847).

 

Seit dem Jahr 1972 steht die Kirche unter Denkmalschutz. Sie bedarf jedoch der dringlichen und notwendigen Innensanierung.

 

Quelle Text und Fotos: Dr. theol. Hans-Joachim Beeskow

Die Dorfkirche Nieder Neuendorf
Das Portal
Blick ins Kirchenschiff
Der Altar
Der Kelch für das Abendmahl
Die Kanzel
Das Taufbecken
Die Taufschale
Fenster mit Taube und Taufschale
Fenster mit Abendmahlsutensilien
Das Ehepaar von Klitzing
Die Wappen derer von Klitzing und derer von Oppen
Orgelempore
Die Orgel
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